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Interview mit der Mutter einer ehemaligen "Ritzerin"

Rasierklinge - Letzter Ausweg?!
© Anna Müller *
24.01.2005

Von unserer Jugendredakteurin Anna Müller (*).

In dem folgenden Interview geht es um die Gefühle und die Gedanken einer Mutter, deren Tochter sich einmal selbstverletzt hat. Aus Sicherheitsgründen möchte sie anonym bleiben.

Frage: Wie haben Sie erfahren, dass Ihre Tochter ritzt?

Franziska S.*: Ich hatte es schon manchmal bei ihr gesehen, wenn sie T-Shirts anhatte oder so. Sie meinte immer, dass sie hingefallen ist oder sich irgendwo wehgetan hatte. Ich hab mir nichts weiter gedacht, aber als ich einmal ein Gedicht von ihr gelesen hatte, wurde ich stutzig. Und vor kurzer Zeit hatte sie es mir dann gebeichtet.

Frage: Worum ging es in dem Gedicht?

Franziska S.: Es ging um Striche an ihrem Arm, und wie gut sie doch tun.

Frage: Was haben Sie dabei gedacht?

Franziska S.: Ich war erst einmal erschrocken und habe nachgedacht. Am Anfang wusste ich einfach nicht, in welche Kategorie ich es „stecken“ sollte. Aber nachdem ich nachgedacht hatte und es mindestens 5 mal durchgelesen habe, wurde es mir klar - Sie ritzt!

Frage: Wie haben Sie sie damit konfrontiert? Und was hat ihre Tochter dazu gesagt?

Franziska S.: Sie hat es natürlich alles abgestritten und ich war so naiv und habe ihr geglaubt. Das war mein Fehler. 2 Jahre später habe ich dann erfahren, dass es doch das war für was ich es gehalten hatte. Sie meinte, dass sie sich jetzt schon seit 4 Jahren selbst verletzt. Zwar hatte sie vor Monaten damit aufgehört, doch trotzdem blieben Narben zurück.

Frage: Behandeln Sie sie jetzt anders?

Franziska S.: Naja... bei einem Streit habe ich immer Angst, dass es zu „heftig“ wird und dass sie einen Rückfall hat. Aber ansonsten hat sich nichts bei uns geändert.

Frage: Haben Sie mal an professionelle Hilfe gedacht? Einen Therapeuten oder so?

Franziska S.: Ihr Hausarzt hatte ihr mal die Nummer von einer guten Therapeutin gegeben. Am Anfang war sie noch damit einverstanden, aber nach 2 Tagen wollte sie es partout nicht mehr. Den Grund hat sie mir nie genannt, aber ich muss es akzeptieren.

Danke für das Interview!

Franziska S.: Kein Problem.

* Namen von der Redaktion geändert




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