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Klimaerwärmung

Interview zur Klimaveränderung

mit Dr. Gian-Reto Walther


Dr. Gian-Reto Walther
© themenguide.de, Katja Brinkmann
12.12.2007

Von unseren Jungredakteuren Philipp Gramatke und Katja Brinkmann, Ricarda-Huch-Schule, Kurs Journalismus, 9. Klasse

Dr. Gian-Reto Walther arbeitet für das Geobotanische Institut der Universität Hannover. Er hat zum Thema Folgen der Klimaerwärmung für Pflanzen geforscht. Da diese Arbeit auch viel mit unserem Thema „Klimaveränderung“ zu tun hat, haben wir Herrn Walther einige Fragen gestellt.

  1. Es gibt verschiedene Meinungen zur Klimaveränderung. Die einen sagen, es würde wärmer, die anderen wiederum behaupten, es würde kälter werden. Wie ist Ihre Meinung?

Es kommt immer darauf an, aus welchen Perspektiven oder von welchen Skalen aus man das Ganze betrachtet. In den letzten 100 Jahren ist mit Sicherheit festgestellt worden, dass sich das Klima global um 0,6 Grad Celsius erwärmt hat und dass eigentlich alle Klimamodelle davon ausgehen, dass auch ein beachtlicher Teil davon auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen ist. Wo Unsicherheiten bestehen, wie sich das Ganze weiterentwickeln wird, ob die Untergrenze relativ gesichert ist, und was man mit Modellen, die auf die Vergangenheit geeicht wurden, dann auch vorhersagen kann – was das betrifft, geht man davon aus, dass die Erwärmung noch mindestens 1,5 Grad betragen wird, aber die Obergrenze, die ist offen! Die Stimmen, die von einer Abkühlung in naher Zukunft sprechen, werden jedoch immer leiser.

  1. Es gibt ja auch die Befürchtung, dass sich, wenn die Gletscher schmelzen, der Golfstrom abkühlt. Was sagen Sie dazu?

Da spielt man natürlich mit dem Feuer. Denn man hat in der Vergangenheit beobachtet, dass es zu abrupten Wechseln gekommen ist. Man weiß aber einfach nicht genau, wo die kritische Schwelle für diesen Prozess sein wird. Ich habe von Leuten, die sich damit beschäftigt haben, gehört, dass es eher unwahrscheinlich ist, dass es innerhalb dieses Jahrhunderts dazu kommen wird, weil das ganze System einfach träge reagiert. Aber es ist nicht auszuschließen. Auf der anderen Seite – wenn man sich den Erwärmungstrend innerhalb dieses Jahrhunderts anschaut - dann wird auch dieser Abkühlungseffekt nicht so deutlich und vor allem nicht global zu spüren sein. Es wird sich dann eher um ein lokales Phänomen handeln, das im nördlichen Mitteleuropa auftreten wird.

  1. Wissen Sie warum es durch CO² zu dieser Klimaerwärmung kommt?

CO² ist ein natürlicher Bestandteil unserer Atmosphäre und dank dieses natürlichen Treibhauseffektes haben wir auch Temperaturen auf der Erde, bei denen Leben überhaupt erst möglich ist. Nun ist es einfach nur eine zusätzliche Anreicherung von CO², die diesen natürlichen Treibhauseffekt verstärkt und somit die Treibhauswirkung erhöht, deshalb steigen die Temperaturen an. Der Prozess an sich ist ein natürliches Phänomen. Es wird durch die menschliche Aktivität lediglich verstärkt. Im Prinzip wird gebundenes CO² in Form von fossilen Brennstoffen wieder in den Kreislauf gebracht, sodass es zu einer höheren Konzentration in der Atmosphäre kommt.

  1. Warum erwärmt sich das Klima erst jetzt so rasant? Z.B. gab es seit 1998 die vier heißesten Sommer des Jahrhunderts.

Das ist ein Hinweis darauf, dass wir uns eben nicht mehr in dieser natürlichen Fluktuation bewegen, die das Weltklima schon immer gezeigt hat, sondern dass hier noch ein zusätzlicher Effekt vorhanden ist. Im Verlauf des letzten Jahrhunderts konnte man die erste Erwärmungsphase in den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts noch mit natürlichen Faktoren erklären, während die letzte Erwärmungsphase seit den 70er Jahren immer eine verstärkte Erwärmung aufweist. In diesen Jahren kann man die Erwärmung nicht immer auf die natürlichen klimawirksamen Faktoren zurückführen. Deshalb liegt es eben nahe, dass man hier neue Entwicklungen auf der Erde mitbetrachtet, und das sind eben die der Menschen.

  1. Wo wirkt sich die Klimaveränderung besonders aus?

Die Auswirkungen sind im Prinzip global zu sehen, man muss einfach gesicherte Daten aus der Vergangenheit betrachten und mit den heutigen Daten vergleichen. Wenn man eine Vergleichsbasis über Jahrzehnte hat, dann lässt sich ganz klar eine Erwärmung feststellen. Jetzt ist natürlich die Frage, wie gravierend diese Auswirkungen sein können. Es können einfach Verschiebungen in Arealen von Pflanzen oder Tierarten oder phänologische Anpassungen der Pflanzen sein. Dass heißt, dass die Blühzeit der Pflanzen im Frühjahr früher einsetzt. Aber das sind natürlich graduelle Erscheinungen, die nicht beliebig erweiterbar sind. Ein Prozess, der heute als kleine Veränderung festgestellt werden kann, kann aber irgendwann zu einem abrupten Phänomen führen und dann wird es dramatisch. Es ist immer ein Frage des Standpunktes.

Menschen, die z.B. auf Tuvalu leben, werden den Anstieg des Meeresspiegels als etwas Besonderes empfinden. Für Leute, die in Polargebieten leben, wird das Schmelzen des Thermalfrostes von Bedeutung sein, weil somit die Basis, auf der sie ihr Haus gebaut haben, regelrecht wegschmilzt. Ähnlich ist es mit den Tieren oder Pflanzen, je nachdem, wo man forscht. In den Tropen hat man schon starke Auswirkungen auf Korallenriffe festgestellt. In alpinen Lagen wachsen jetzt auch Pflanzen, die vorher aufgrund der kurzen Vegetationszeit gar nicht wachsen konnten.

  1. Hängen die Wetterkapriolen mit der Klimaveränderung zusammen?

Bei jedem einzelnen Ereignis sei immer betont, dass es nichts mit der Klimaveränderung zu tun habe, da Klima etwas sei, was über einen längeren Zeitraum wirke und nicht kurzfristig. Auffällig ist jedoch die Häufung der Geschehnisse. Treten sie häufiger als in früheren Zeiten auf oder war es ein einzelnes Ereignis?

Zwischen Extremereignissen, z.B. Dürre oder Überschwemmung, ist jedoch noch kein kausaler Zusammenhang herzustellen, denn bei Extremereignissen benötigt man immer einen längeren Beobachtungszeitraum, der bislang nicht zur Verfügung steht. Es gibt trotzdem viele Indizien, die dafür sprechen.

  1. Wird sich die Klimaveränderung auf die Landwirtschaft auswirken?

Insbesondere die Extremereignisse sind natürlich die Phänomene, die für die Landwirtschaft sehr gefährlich sind. Wenn die Trocken- oder Nassphasen immer intensiver werden, wird das selbstverständlich Auswirkungen auf die Landwirtschaft haben. Es können zum Beispiel auch neue Insektenarten auftreten, die für bestimmte Kulturen dann vielleicht von Bedeutung sein werden.

8.    Sie haben sich mit dem Thema Pflanzen im Klimawandel beschäftigt. Was konnten Sie dort beobachten? Wie lange brauchen Pflanzen um zum Beispiel im Norden zu wachsen?

Das geht insofern sehr schnell, als es schon heute sichtbar wird. Die letzte, jüngste Phase der Klimaerwärmung, insbesondere in den 90er Jahren - das wärmste Jahrzehnt seit Beginn der meteorologischen Aufzeichnungen - zeigt eigentlich schon sehr deutliche Auswirkungen im Ökosystem. Wenn man Pflanzenareale aus der Mitte des letzten Jahrhunderts mit heutigen vergleicht, kann man heute schon Verschiebungen feststellen. Die sind eben durch die Klimaerwärmung erklärbar.

9.   Haben Sie eine eigene Meinung zu alternativen Energien?

Wir sind abhängig von den fossilen Brennstoffen - nicht nur im täglichen Leben. Aber wir sind auch abhängig von den Regionen, aus denen diese Brennstoffe stammen und allein diese Abhängigkeit sollte uns zu denken geben. Aus diesem Grund sollte man schnellstmöglich von den fossilen Brennstoffen wegkommen. Dass dies nicht ohne Aufwand möglich ist, ist natürlich selbstverständlich. Aber ich denke, es sprechen viele Gründe dafür, dass man sich jetzt von den fossilen Brennstoffen entfernt und sich eine oder mehrere Alternativen sucht. Wenn der Ölpreis weiterhin so stark ansteigt wie bisher, dann wird es langfristig auf alternative Energien hinauslaufen. Denn der Ottonormalverbraucher kann sich dann keine fossilen Brennstoffe mehr leisten.


  1. Haben Sie eine Idee, welche alternative Energie sich langfristig durchsetzen wird?

Langfristig ist die primäre Energiequelle der Erde mit Sicherheit die Sonne. Dass in der Übergangszeit mit Wasserstoff oder Ethanol gearbeitet wird, ist wahrscheinlich. Das wird heute schon gemacht. Langfristig wären diese Alternativen jedoch untauglich, weil die Energiemengen, die heute verbraucht werden, sich nicht schnell genug herstellen lassen.

Wir bedanken uns bei Dr. Gian - Reto Walther vom Geobotanischen Institut Hannover für dieses Interview.



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